Einige historische Informationen zur Bewahrung des Archivs des VBK, Verband Bildender Künstler der DDR (1952 – 1990)

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Betreff: dpa Meldung v.  Brita Janssen / v.  10.12.1996

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse las ich den Artikel "Arbeiterporträts und Industrielandschaften" über das neue DDR-Archiv in Hamburg. Gewiß ist allzuviel Material zur Kunst der DDR bisher verlorengegangen oder auf kommerziellem Wege privatisiert worden. Überheblich ist hier nur der Halbsatz "... einzigartige Recherchemöglichkeiten zur Kunst in der DDR". Denn dies entspricht nicht den Tatsachen.

Zur Information für Interessierte (evtl. auch für Frau Wagner und Frau Brita Janssen von dpa)!

Neben Archiven in Nürnberg und Oberhausen hat der Kunstwissenschaftler- und Kunstkritikerverband e.V. in Berlin ein umfangreiches Archiv zur Kunst der DDR aufgebaut. Dieses Archiv mit 30 000 Katalogen, Faltblättern und Büchern zur Kunst der DDR, über 250 lfm. Aktenmaterial zur Geschichte des "Verbandes Bildender Künstler der DDR" und - damit verbunden - zu den überwiegenden Prozessen der Kunstentwicklung der DDR, Osteuropas und westlichen Ländern, mit 10 000 Dias und s/w Fotos, Tondokumenten, einem umfangreichen Pressearchiv, bio/bibliographischen Künstlersammlungen, dem Redaktions- und Fotoarchiv der Zeitschrift "Bildende Kunst" u.a. Materialien, stehen jedem Nutzer in der "Stiftung Archiv der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg" (tel.: 030/285385-0,Fax 030/28538554) zur Verfügung.

Die Hamburger Materialien des Kunstwissenschaftlers Lothar Lang konnte unser Archiv - aus finanziellen Gründen - ebensowenig erwerben, wie die Materialien die  sich in den USA befinden. Wobei es sich bei beiden Materialsammlungen überwiegend um Dubletten handelt.  Die Bewahrung, Erfassung und Aufarbeitung von Archivmaterialien hängt eben doch von finanziellen Möglichkeiten ab.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Jörg Schirmbeck

 Vorsitzender des Kunstwissenschaftler- und Kunstkritikerverbandes e.V.

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Betreff:   FAZ  -  Artikel  vom 29. 6. 1994   "Nach Santa Monica"

Der Antiquar, Jürgen Holstein, war den vier Mitarbeitern des Kunst- und Informations­zentrums von Beginn seiner "uneigennützigen Spurensuche" an bekannt. Er selbst erzählte, daß er mit Geldern der Getty Stiftung eine DDR - Kunstsammlung aufbaut. Es ist also nicht so, daß er erst sammelte und dann das Material mangels Interesse im Inland, nach Santa Monica verkaufte. Die Aussage, das wenig Interesse in ganz Deutschland an der Bewahrung des Kunst- und Kulturnachlaß von DDR-Kultur­institutionen aus unterschiedlichen Gründen bestanden hat, ist korrekt. Hier kommt ihm gewiß ein Verdienst zu, der seinem geschäftlich-kulturellen Interesse inne wohnt. Sein finanzieller Hintergrund gepaart mit einem antiquarischen Jagdinstinkt öffnete ihm Türen, zu denen wir als Mitarbeiter des o.g. Archivs keinen Zugang fanden. Unsere Ankaufsummen, aus Fördermitteln des Bundes, der Jahre 1992/93 beliefen sich im Durchschnitt auf einige Hundert Mark. Wir appellierten mehrmals an offizielle Stellen, jedoch meist erfolglos.

Aus dem Bestand des jetzigen Archivs und vor allem der Galerie, kaufte Herr Holstein zahlreiche unregistrierte, meist drei- und mehrfach vorhandene Kataloge und Kunstbücher. Keine Materialien aus Akten, keine Dias und keine Einzeldinge anderer Art. Jegliches Material, das sich nicht in unserem Bestand befindet, kann nur von dritten Personen erstanden sein. Uns wurde übermittelt, daß seine "Hausbesu­che" bei ehemaligen Funktionären u.a. Mitgliedern des VBK antiquarische Früchte getragen haben sollen. Der Umfang ist uns jedoch unbekannt. Er hat mehrmals einen Einblick in seine "Sammlung" abgelehnt. Sein "umfangreicher" Bestand ist uns somit unbekannt. Eine Zusammenarbeit oder zumindest ein Vergleich unserer Bestände mit denen der Getty Stiftung wäre sehr wünschenswert. Gewiß ist er an persönliche Materialien herangekommen, die uns verweigert wurden oder finanziell unerschwinglich waren.

Beiliegende Beispiele zeigen einige Aktivitäten des kkv e.V. zur Erlangung von VBK Materialien. Wir haben alle wichtigen Mitarbeiter und Funktionäre des VBK an­geschrieben. Ebenso die ehemaligen Bezirksbüros und andere Einrichtungen, bei denen wir VBK Materialien vermuteten.  Im Germanischen National Museum befinden sich Materialien des ehemaligen Vorsitzenden des VBK Herrn Prof. Willi Sitte. Dies wissen wir von Augenzeugen. Im Stadtarchiv Leipzig befinden sich die Materialien des ehemaligen VBK Bezirksbüros Leipzig. Ebenso in Dresden. Wobei es hierzu bisher keine konkreten Aussagen gibt. Im DDR - Institut der Ludwig-Stiftung in Aachen befinden sich gewiß ebenfalls   Unterlagen, da ein hoher Funktionär des VBK dort als Kustos arbeitet.

Weiterhin sind uns Materialien des VBK in Archiven von Museen in Dresden bekannt, die vor allem die Dresdner Kunstausstellungen und Künstlerkongresse enthalten. Unbekannt ist jedoch der Verbleib zahlreicher Akten der ehemaligen Bezirksbüros.

Abschließend muß gesagt werden. In Santa Monica befindet sich vielleicht ein interessantes Archiv mit sehr vielen zusammengetragenen Materialien unterschiedli­cher Art und Weise. Das gesamte interne Aktenmaterial des VBK der DDR lagert in unserem Archiv und die Bibliothek hat einmalige Bestände. Hätte es andere Möglichkeiten für Herrn Holstein gegeben, dann hätte er uns nicht   enorme Summen f ü r das gesamte Archiv geboten, dem der kkv e.V. nicht entsprochen hat.

Hans-Jörg Herzliche Grüße Hans-Jörg Schirmbeck, Berlin 1994

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PROJEKT_BIADOK_KUNST

(DFG-Antrag1992)

Der Kunstwissenschaftler und Kunstkritiker Verband e. V. hat 1992 damit begonnen, seine Bibliotheks- und Archivbestände mit Hilfe des DYNIX Automated Library Systems aus den USA zu erfassen und der globalen wissenschaftlichen Nutzung zu öffnen. Bei der Bibliothek handelt es sich um eine öffentliche Spezialbibliothek für Publikationen zur bildenden und angewandten Kunst sowie Kunstwissenschaft. Sie ist Bestandteil des KUNST- UND INFORMATIONSZENTRUMS des o.g. Verbandes in der Inselstraße 12, 0-1020 Berlin, einer Informations-, Kommunikations- und Dokumentationsstelle zur Kunstentwicklung, vor allem der ehemaligen DDR und der neuen Bundesländer. Bis 1990 gehörte diese Bibliothek  dem zentralen Vorstand des "Verbands Bildender Künstler der DDR" in Berlin und existiert seit dessen Gründung im Jahre 1952. Gesammelt wurden von diesem Zeitpunkt an, stets getragen vom Gedanken der Vollständigkeit, Kataloge nationaler- und internationaler Ausstellungen, die auf dem Gebiet der DDR und im Ausland stattfanden. Ebenso umfangreich vertreten sind Bücher, die in DDR-Kunstverlagen erschienen sind und Publikationen der osteuropäischen Staaten. Die  weitreichenden Kontakte zu den Künstlerverbänden der ehemaligen sozialistischen Länder und der Schriftentausch mit kompetenten Partnern ermöglicht einen guten Überblick über die Kunstentwicklungen und Ausstellungstätigkeiten dieser Länder. In den siebziger und achtziger Jahren, mit zunehmendem Interesse an der Kunst des Ost-Deutschlands war es der Bibliothek möglich, auch Bücher und Kataloge über die Kunst der westlichen Länder zu erwerben, die den Künstlern als sekundäre Information zur Verfügung standen. Eine Erweiterung erfuhr das KUNST UND INFORMATIONSZENTRUM in den Jahren 1990/91. Zahlreiche ungeordnete Teilbestände anderer gefährdeter Bibliotheken und Dokumentationsstellen konnten übernommen und gesichert werden. Dies trifft vorrangig die Materialien des 1990 aufgelösten "Zentrums für Kunstausstellungen der DDR", das über zwanzig Jahre lang internationalen Kunstaustausch auf nichtkommerzieller Basis betrieb  aber auch die Archivmaterialien des Berliner Verbandes Bildender Künstler u.a..Institutionen. Heute umfaßt die  Bibliothek ca. 15.000 Bestandseinheiten. Mittelpunkt des Interesses innerhalb dieses Bestandes sind seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten Publikationen zur Entwicklung der bildenden und angewandten Kunst der ehemaligen DDR. Alleine zu dieser Thematik besitzt die Bibliothek durch kontinuierliches Sammeln umfangreiche Bestände, die in ihrer Geschlossenheit und in Verbindung mit - bio/bibliographischen Materialien, Dias und Fotos, Tondokumenten und Manuskripten - u.a. zu Künstlern und Kunstentwicklung der DDR, des Künstlerverbandes und dessen internationale Beziehungen,  wahrscheinlich einmalig sind und einen großen Fundus für kunstwissenschaftliche Forschungen bilden.

 Ergänzend zu den Publikationsbeständen der Bibliothek existieren die bereits erwähnten Informations- und Dokumentationsabteilungen, die Diathek, das Tonarchiv und das Archiv des 1990 aufgelösten Künstlerverbandes der DDR. Die alphabetische Künstlerdokumentation beinhaltet Materialien über Maler, Grafiker, Bildhauer, Fotografen u.a. künstlerische Berufe , die nach 1945 auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR lebten oder noch leben. Ebenfalls über jene Künstler, die die DDR aus unterschiedlichen Gründen verlassen haben. In weitaus geringerem Umfang trifft dies auch für internationale Künstler zu, die in der DDR ausstellten oder in anderer Form aktiv waren.

Verzeichnet sind u.a. Einzel- und Gruppenausstellungen der betreffenden Künstler im In- und Ausland, Angaben zu einzelnen Lebensabschnitten wie Berufsausbildungen, akademische Studien, Meisterschülerzeiten, Arbeitsaufenthalte im Ausland, Auszeichnungen , Preise, Äußerungen des Künstlers und Zeitungsausschnitte, Faltblätter u.a. über ihn und sein Werk. In geringerem Maße befinden sich auch s/w Fotos einzelner Kunstwerke, von Ausstellungseröffnungen, Porträtaufnahmen des Malers oder Bildhauers in den genannten Unterlagen. In Korrespondenz zur Bibliothek sind Literaturangaben von und über den jeweiligen Künstler erfaßt und Hinweise gegeben auf weiterführende Publikationen zum Thema. Zusätzliches nützliches Arbeitsmittel dazu sind die erarbeiteten Adressenverzeichnisse von Galerien, Museen und anderen Kultureinrichtungen, die im Zusammenhang mit der Automatisierung, mit den jeweiligen Bereichen vernetzt werden müssen, um schnellen Zugriff auf die vorhandenen Informationen zu gewährleisten. Umfangreiche Informationen enthalten auch Dokumentensammlungen von in- und ausländischen Ausstellungen, die der "Verband Bildender Künstler", das "Zentrum für Kunstausstellungen" u.a. Institutionen  in den siebziger und achtziger Jahren konzipierten und organisierten. Texte, Berichte und Kommentare zu kulturpolitischen Ereignissen, Ausstellungskritiken, Materialien von Künstlerkongressen und Symposien, Tagungen und Sitzungsprotokolle, die zum überwiegenden  Teil unveröffentlicht geblieben sind und der Aufarbeitung harren, gehören ebenso zum Bestand des Archivs wie die Unterlagen zu den überregionalen, seit 1946 regelmäßig stattfindenden "Dresdner Kunstausstellungen" und  den "Bezirkskunstausstellungen", zu Messen und Aktivitäten von Akademien und  Kunstverlagen. An hand dieser Materialien ist  ein guter Überblick möglich und sind Hintergrundinformationen gegeben zur Kunstentwicklung der Zeit.

In den vergangenen 15 Jahren wurden mit Honorarmittel des staatlichen Kulturfonds ca. 10.000 Dias und s/w Fotos von Kunstwerken in Ausstellungen und auf Messen angefertigt, die zur leihweisen Nutzung angeboten werden. Gerade weil die farbigen Abbildungen genutzt werden sollen, ist die digitale Bildspeicherung der Dias unumgänglich. Diese finanziell aufwendige Konservierungsmaßnahme muß leider einem nächsten Schritt der EDV Erfassung vorbehalten bleiben. Unkomplizierter gestaltet sich momentan die Erhaltung der Tondokumente, die auf alten Bändern und Kassetten erhalten sind und nun auf digitales Bandmaterial übertragen werden. Hierbei handelt es sich um Mitschnitte von Diskussionen, Kongressen, Symposien und anderen Veranstaltungen. Alles bisher genannte historisch wertvolle Material muß inhaltlich  aufgearbeitet und in eine automatisierungsgerechte Struktur  gebracht werden, um damit wissenschaftlich arbeiten zu können.

Zeitgemäß scheint das Interesse an der vierzigjährigen Kunstentwicklung in der DDR vor allem bei Kunstwissenschaftlern, Kunsthistorikern und Studenten dieser Fachrichtungen aus den alten Bundesländern größer zu sein als bei ihren östlichen Kollegen. Zahlreiche Aspiranten, Studenten und Wissenschaftler arbeiten momentan in der Bibliothek für ihre Dissertationen, Magisterarbeiten und Publikationen. Bevorzugte Themen sind u.a.:

-Das Wandbild in der Kunst der DDR in den 50er Jahren

-Expressionismusrezeption in der DDR und expressive Tendenzen in der DDR-Kunst

-Denkmäler in der DDR

-DDR-Kunst der 80er Jahre/Sowjetische Kunst der 50er Jahre

-Die Geschichte des Verbandes Bildender Künstler der DDR

Ziel der oben genannten Automatisierung dieser Bestände der Bibliothek und der Dokumentation ist die zeitgemäße, sinnvolle Erschließung der vorhandenen Materialien. Die geplante Vernetzung der bibliotheksautomatisierten und rechnergestützten Dokumentation des Kunstzentrums in Berlin BIADOK mit anderen Bibliotheken und Kunstarchiven auf nationaler- und internationaler Ebene, wie z.B. der Datenbank DIANA der Düsseldorfer Kulturinstitute oder des Marburger Informations-, Dokumentations- und Administrations-System MIDAS, bietet die Möglichkeit, weltweit Daten auszutauschen, miteinander zu kommunizieren und effektiv und wissenschaftlich zu Arbeit. Mit Hilfe des leistungssfähigen Automatisierungssystem  der Firma DYNIX, INC. Deutschland, Inselstraße 12, 0-1020 Berlin, vertreten durch Herrn Robert M. Hernandez, und unter Voraussetzung einer Förderung durch die Bundesregierung und den Senat von Berlin wird dieses, zu einer Kunstdokumentation Deutschlands erweiterungsfähige Projekt, sinn- und reizvoll .

Ursula Leuchte; Hans-Jörg Schirmbeck

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kunstwissenschaftler- und  kunstkritiker-verband e.v.; k.k.v. Inselstraße 12, O -1020 Berlin  - Telefon  279 35 66 -  Fax  279 30 76

Antrag auf Förderung des Projektes

 

ARCHIV ZUR KUNSTGESCHICHTE UND KUNSTPOLITIK DER DDR

IN DEN JAHREN 1950 BIS 1990

Sacherschließung, Ordnung und Systematisierung der Bestände des ehemaligen Verbandes Bildender Künstler der DDR und Aufbau einer Datenbank für die wissenschaftliche Forschung und öffentliche Benutzung

Antragsteller

Antragsteller und ideeller Träger des Projektes ist der Kunstwissenschaftler- und Kunstkritiker-Verband e.V.(nachstehend KKV).

Vorsitzender:  Herr Hans-Jörg Schirmbeck

Zweck des KKV, dessen Gemeinnützigkeit mit Vorläufiger Bescheinigung des Finanzamtes für Körperschaften I vom 22. Dezember 1992 anerkannt ist, ist die umfassende Förderung von Kunst und Kunstverständnis in der Öffentlichkeit. 

Dies geschieht (satzungsgemäß) durch

 1. die Galerie INSEL 13  mit ihren Kunstausstellungen, Vorträgen, Diskussionen und Kolloquien,

 2. die in erster Linie auf Literatur zur Kunst der DDR und Osteuropas spezialisierte Bibliothek (Bestand: rd.20000 Bände und Ausstellungskataloge),

 3. die Diathek zur bildenden Kunst der DDR 1950 - 1989 (Bestand: ca.10000 Dias und Diaserien, darunter auch Serien zu den großen Kunstausstellungen VI bis X in Dresden und Bezirkskunstausstellungen der 70er und 80er Jahre) und

 4. die Dokumentation ( ein Foto- und Filmarchiv, bio- und bibliographische Angaben und ein ab 1984 eingerichteter Zeitungsausschnittdienst zur bildenden und angewandten Kunst und zu Ausstellungsaktivitäten von Künstlern der DDR im In- und Ausland).

 5. das Archiv des ehemaligen Verbandes Bildender Künstler der DDR, das der KKV übernommen hat. Die Archivmaterialien (ca. 120 laufende Meter Aktenordner sowie Tondokumente und unveröffentlichte Manuskripte - Kongreßberichte, Interviews und Tagungsprotokolle - aus der Zeit von 1945 - 1989) befinden sich in einem Zustand, der einer umfassenden und gründlichen Aufarbeitung bedarf.

 Bibliothek, Diathek, Dokumentation und Archiv sind bereits - soweit geordnet - öffentlich zugänglich (teilweise nur zur Präsenzbenutzung).

Beschreibung des Projektes

1. Die besondere Bedeutung der dem KKV gehörenden Materialien liegt zum einen in Bibliothek, Diathek und Dokumentation, die einen Überblick über das gesamte Gebiet der bildenden und angewandten Kunst der DDR von 1950 bis 1989 (Künstler und ihre Werke, Einzel- und Sammelausstellungen, Kunsttheorie, Kunsterziehung u.a.m.) ermöglichen, und zum anderen in dem Archiv des ehemaligen zentralen Verbandes Bildender Künstler der DDR, das wichtige Unterlagen zur Geschichte dieses Verbandes und seiner politischen und sozialen Aktivitäten, die hier mit den Stichworten "Förderung", "Einengung" und "Ausgrenzung" nur angedeutet werden können, enthält.

2. Das Ziel des Projektes ist es, dieses umfangreiche Material zu erhalten, zu ordnen und zu systematisieren, sodaß es in vollem Umfange der öffentlichen Benutzung und über Datenbanken im Rahmen des öffentlichen Bibliothekssystems der wissenschaftlichen Forschung an Hochschulen, Akademien und anderen Forschungsinstituten zugänglich gemacht werden kann.

3. Nach Abschluß des Projektes wird über die Weiterführung zu entscheiden sein, d.h. ob Bibliothek und Archiv als Ganzes oder in Teilen mit öffentlichen oder/und privaten Mitteln als selbständige Institution weiter arbeiten oder aber in andere Institutionen eingegliedert werden sollen.

Verhandlungen mit dem Senat und der Stiftung Archive der Akademie der Künste über Einbringung im Laufe des Jahres 1994 sind im Gange. 

4. Die Sicherung und Weiterführung der Galerie über den 31. März 1993 hinaus bedarf einer gesonderten Betrachtung. Angaben zur Galerie werden hier nur informatorisch gemacht.

 

Stand der bisherigen Arbeiten

 

Mitarbeiter des Projektes

Geschäftsführerin und Projektleiterin: Frau Dr. Gudrun Urbaniak

Diathek, Dokumentation (Fotos, Videofilme, Tondokumente, Zeitungsausschnittdienst u.a.) und BIADOK: Herr Hans-Jörg Schirmbeck

Archiv des ehemaligen VBK der DDR: Herr Hartmut Pätzke

Bibliothekarin: Frau Ursula Leuchte

Galerie INSEL 13: Frau R. Kopowski und zwei weitere ABM.

Sicherung vor Untergang;  Unterbringung in neuen Räumen

Bei der Auflösung des Verbandes Bildender Künstler der DDR drohten die gesamten Materialien - ähnlich wie Bestände mancher Bibliotheken und Buchhandlungen - dem Verfall anheimgegeben zu werden. Durch den persönlichen und ehrenamtlichen Einsatz der beteiligten Mitglieder des neugegründeten KKV und aus Mitteln des Verbandes wurden im 2. Halbjahr 1990 und Anfang 1991 zunächst die Räume im Hinterhaus Inselstraße 12 instandgesetzt, dann das gesamte Material dorthin verbracht und soweit geordnet, daß die Fachbibliothek und ein Teil der Diathek seit dem Frühjahr 1991 für die öffentliche Nutzung zugänglich sind.

Bisherige Förderung

Die Mittel des KKV sind für eine dauerhafte finanzielle Absicherung des Projektes völlig unzureichend. Fachleute des Senators für kulturelle Angelegenheiten, des Bundesministeriums des Innern (BMI), der Akademie der Künste und des Deutschen Bibliothekinstitutes haben inzwischen eine Förderung des Projektes empfohlen.

So wurden bisher folgende Fördermittel gewährt:

1. von der Stiftung Kulturfonds DM 50000.-- als Zuschuß zum Haushalt und zu Sachkosten (1. Halbjahr 1991),

2. vom BMI (Hauptabteilung K, Referat K II 4 im Rahmen des Substanzerhaltungsprogramms) DM 133000.-- teilweise als Zuschuß zum Haushalt, überwiegend für Investitionen (2. Halbjahr 1991) und DM 57000.-- als Zuschuß für Investitionen (2. Halbjahr 1992),

3. vom Senator für kulturelle Angelegenheiten (Ref. Archive) DM 20000.-- als Druckkostenzuschuß für das Archiv-Jahrbuch und

4. vom Arbeitsamt I Mitte Finanzierung von 7 zweijährigen ABM-Stellen, davon 6 ABM bis zum 31. März 1993 (Projektleiterin, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, Bibliothekarin und drei Stellen in der Galerie) und 1 ABM bis zum 31. Juli 1993 (wissenschaftlicher Mitarbeiter).

Erreichter Stand (Ende Januar 1993)

Für die alten Bestände der Bibliothek besteht ein alphabetischer und systematischer Katalog. Etwa 10000 Neuzugänge aus anderen Instituten,

umgewandelten Bezirksverbänden des ehemaligen VBK und Nachlässen von Kunstwissenschaftlern sind grob sortiert.

In der Diathek und Dokumentation sind ein Drittel der Materialien identifiziert, alphabetisch und sachlich geordnet. Für das Programm BIADOK werden 1000 Einträge für die Testphase bis Ende März vorbereitet.

Im Archiv ist ein Viertel des Bestandes geordnet.

 

Gegenstand des Antrages

 

Zur vollständigen Realisierung des Projektes sind folgende Arbeiten erforderlich:

1.   Einrichtung eines integrierten rechnergestützten Bibliotheks- und Informationssystems (BIADOK)

    a) für die Erfassung des Kataloges der Bibliothek und der Diathek,  

    b) für die Herstellung eines Gesamtregisters der Dokumentation und des Aktenarchivs des ehemaligen VBK,

    c) für die Vernetzung von a) und b) mit dem Datensystem der wissenschaftlichen Bibliotheken und

    d) für Textkatalogisierung und Dokumentation.

Die Testphase des Programms wird am 1. April 1993 beginnen. Sie wurde vom KKV in Zusammenarbeit mit der Original-Lieferfirma des Computers - DYNIX Automated Library Systems (Cataloging, Public Access and Circulation modules) -, dem Institut für Terminologie und angewandte Wissensforschung - itaw GmbH - (Herr Dr.Ing.Hradetzky und Herr Dr.Sträter), dem Bibliotheksinstitut der HUB (Herr Dr.Palme und Frau    Dr.Rohde) und dem Deutschen Bibliotheksinstitut (Herr Bibliotheksdirektor Habermann) vorbereitet.

Über das Projekt und seine Zielsetzung wurde in einem Aufsatz unter dem Titel "BIADOK" im "Bibliotheksdienst" - 26.Jg.(1992), Heft 8, S.1186ff. berichtet. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bibliotheksinstitut und der HUB wurden bereits zwei Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen für Bibliothekare der neuen Bundesländer durchgeführt.

2.   Bibliothek: Erfassung und Katalogisierung der Neuzugänge der Bibliothek  und Aufbereitung für die Eingabe des gesamten Bibliothekskataloges in die EDV (Verfasser, Titel, Schlagwort).

3.   Diathek: Identifizierung, Sacherschließung und katalogmäßige Erfassung der noch ungeordneten Teile der Diathek (etwa zwei Drittel des Bestandes) und Aufbereitung  für die Eingabe in die EDV (Künstler, Werk, Schlagwort).

4.   Dokumentation und Archiv: Sacherschließung, Ordnung und Systematisierung der Dokumentation (bio- und bibliographische Daten, Fotos, Zeitungsausschnittdienst) und des Aktenarchivs, Herstellung eines Gesamtregisters (Chronologie, Personen-, Orts-, Stich        - und Schlagwortregister) und Aufbereitung zur Eingabe in die EDV.

Gewünschter Förderungszeitraum:

1.April 1993 bis 31.März 1995

Berlin, den 8.Februar 1993

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Unwiederbringliches Quellenmaterial zur Kunstgeschichte der DDR befindet sich im Archiv des Verbandes Bildender Künstler der DDR. In den 1991 durch den Kunstwissenschaftler- und Kunstkritiker-Verband e.V. gesicherten Akten, Publikationen, Fotos und Tonmaterialien des Verbandes spiegelt sich die Geschichte dieser 1950 gegründeten und 1990 selbst aufgelösten Künstlervereinigung wider. Seine Bedeutung erwuchs vor allem aus der für freiberuflich tätige Künstler existentiell notwendigen Mitgliedschaft im VBK. Diese Vertretung der Künstler in der DDR mit etwa 6000 Mitgliedern umfaßte Fachsektionen für Malerei und Grafik, Plastik, Karikatur und Pressezeichnung, Gebrauchsgrafik, Formgestaltung, Kunsthandwerk und die Sektion Kunstwissenschaft. Manuskripte, Berichte und Korrespondenzen zu fachlichen und kulturpolitischen Ereignissen des Verbandes befinden sich hier ebenso wie Materialien der Kongresse, Symposien und Tagungen, die der Aufbereitung harren. Nationale und internationale Ausstellungsprojekte sind dokumentiert worden, wie die überregionalen, seit 1946 regelmäßig stattfindenden "Dresdner Kunstausstellungen", Bezirkskunstausstellungen, Einzelausstellungen sowie Messen und Pleinairs. Ergänzt wird das Archiv seit 1994 durch Akten der verbandseigenen Zeitschrift "Bildende Kunst", die von 1947 bis 1991 existierte und durch die Übernahme von Materialien der ehemaligen Bezirksbüros des Verbandes Bildender Künstler, wie Dresden, Halle, Potsdam, Schwerin, Neubrandenburg, Frankfurt / Oder, Cottbus. Gegenwärtig werden Verhandlungen mit den Verantwortlichen in Magdeburg geführt. Desweiteren konnten kunsthistorisch wertvolle Archivmaterialien aus privaten Beständen erworben werden, die das Bild der ostdeutschen Kunstentwicklung nach 1945 und ihre Beziehung zu westdeutschen und internationalen Kunsttendenzen abrunden.

Der Fotosammlung angegliederte Dia und Fotobestände des Verbandsarchivs dokumentieren darüber hinaus die ausgestellten Werke u.a. der "Dresdner Kunstausstellungen" von 1958 bis 1988.

Bitte beachten Sie :

Die Trägerschaft des Archivs des k-k-v e.V. hat sich 1994 geändert. Die gesamten Materialien des VBK - Archivs befinden sich nun in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste. [e-mail: archivbildendekunst@adk.de; Web-Seite: www.adk.de -----------------------------------